[Rezension] „Niemand liebt November“ von Antonia Michaelis

9783789142956

  • Titel: “Niemand liebt November“
  • AutorIn: Antonia Michaelis
  • Genre: Jugendbuch (ab 16)
  • Seitenstärke: 430 Seiten
  • Verlag: Oetinger-Verlag
  • Preis: 17,99 €
  • ISBN: 9783789142956

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buchzitat.jpgDurch diese Tür, dachte Amber, war ihr Vater hineingegangen. An einem Abend vor elf Jahren. Und er war nicht mehr herausgekommen.
Seite 65

klappentext.jpgEin Mädchen, dessen Eltern auf rätselhafte Weise verschwunden sind.
Ein rot-gelb erleuchtetes Zelt.
Ein Junge, der ein Buch liest.
Und das Versprechen einer großen Liebe.

November Lark, von allen Amber genannt, ist siebzehn und gerade aus ihrer WG abgehauen. Denn zum ersten Mal glaubt sie, ihre Eltern auf der Spur zu sein. Ihre Suche führt sie in eine fremde Großstadt, in die Kneipe eines Mannes, dessen Name eine Tätowierung ist, zu dem rätselhaften Jungen, der in einem Zelt sitzt und ein Buch liest – und an die haarfeinen Risse in der Wirklichkeit.

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 Schatten der Vergangenheit: ein Spiel um Leben und Tod.

Kurz vor Ambers sechstem Geburtstag verschwanden ihre Eltern auf unerklarliche Weise. Jetzt ist Amber, die eigentlich November heist, 17 Jahre alt und glaubt, eine Spur zu haben. Doch was hat es mit dem Jungen auf sich, der in dem erleuchteten Zelt ein Buch liest, sich aber in Luft auflost, sobald sie sich ihm nahert? Welche Ziele verfolgt der Kneipenwirt, zu dem sie sich immer starker hingezogen fuhlt, und der immer fur sie da zu sein scheint? Steckt er vielleicht sogar hinter den anonymen Drohungen, die sie erhalt? Amber muss sich entscheiden: zwischen ihrer zerstorerischen Vergangenheit und dem Aufbruch in die Zukunft.
(Quelle: oetinger.de)

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 Antonia Michaelis zählt zu meinen absoluten Lieblingsautoren im deutschsprachigen Raum. Ihre Werke werden von mir förmlich verschlungen. Warum ist „Niemand liebt November“ das erste Buch, dass ich von ihr auf meinem Blog vorstelle? Ganz einfach: Ihre Bücher sind so … schwer, dass ich mich schlichtweg nicht rangetraut habe.

Doch die zauberhafte Katja von Ka-Sas Buchfinder war auf der Suche nach Freiwilligen, die den neuen Roman vorstellen möchten. Und ehe ich mich selbst bremsen konnte, hab ich mich auch schon um ein Rezensionsexemplar beworben. Aber bereits nach dem ersten Abschnitt fiel mir wieder ein, weshalb ich mich bis jetzt vor Rezensionen dieser Art gedrückt habe: Ihre Bücher sind so schwer zu beschreiben!
Aber das Kind liegt ja jetzt nunmal auf dem Brunnengrund, und so versuche ich einfach mal mein bestes, Antonia Michaelis gerecht zu werden.

Beginnen wir mit den Schreibstil, denn er ist etwas ganz besonderes. Poetisch, federleicht und tonnenschwer zugleich, verworren und mystisch, trifft die Autorin bei mir immer einen empfindlichen Nerv. Sie schafft es, ohne viel Schischi wundervolle Bilder mit Worten zu zeichnen. Mal mit harten & klaren Linien (oder viel mehr Worten), mal mit sanft-zarten Pinselstrichen schafft sie eine fantastische Realität zwischen den Seiten.

Ihre Geschichten hinterlassen bei mir immer einen bittersüßen Nachgeschmack, manchmal muss ich mich geradezu davon erholen. Das liegt an der ungewöhnlichen Mischung, die die Autorin innerhalb ihrer Storyline verarbeitet. „Niemand liebt November“ ist kein Fantasy-Buch, doch es liegt ein gewisser Zauber zwischen den Zeilen. Die spurlos verschwundenen Eltern, eine Katze (Ambers einzige Freundin), die mit ihr „spricht“ und ein geheimnisvoller Junge, in einem Zelt, der sich immer wieder in Luft aufzulösen scheint. Man erwartet einfach immer ein bisschen Magie. Doch genau, das ist das bittere an Antonia Michaelis´Büchern: Sie sind keine Fantasy-Geschichten, und nicht selten holt die Autorin ihre Leser mit einem harten Schlag zurück in die kalte Realität. Im Verlauf des Romans kommen viele Fragen auf: Wo sind Ambers Eltern, was ist mit ihnen geschehen? Wird Aber sie finden? Was hat es mit Katja, dem Bar-Besitzer auf sich und wo ist die echte Katja? Wer ist der lesende Junge in dem Zelt?
Ich habe schon einige ihrer Bücher gelesen, und doch war ich auch bei diesem wieder sehr überrascht. Eigentlich erwarte ich bei Frau Michaelis fast schon den sprichwörtlichen Schrecken am Ende und dennoch kam die „Ohrfeige“ unvermittelt.

Die Figuren sind nicht alle auf den ersten Blick liebenswürdig. Amber, die Hauptperson, heißt eigentlich November. Sie ist eine siebzehnjährige Waise und büchst zu Beginn des Romans aus ihrer betreuten Wohngemeinschaft aus – allerdings nicht ohne vorher einem Betreuer den Mantel und die Geldbörse zu klauen. Amber ist einsam, impulsiv und ungeduldig, außerdem sehr misstrauisch und tritt gern auch mal etwas kaputt. Ein krasser Gegensatz dazu ist die kokette Lucy, für die es ein Kinderspiel ist, Männer um den Finger zu wickeln. Das Besondere ist jedoch: Lucy und Amber sind die selbe Person. Lucy ist jediglich eine von Amber erdachte Rolle, in die sie schlüpfen kann, wenn es erforderlich ist.
Ihr zur Seite gestellt ist die namenlose Katze, Ambers Beraterin und Begleiterin, seit sie ein kleines Mädchen war. Amber kann sich mit der klugen Katze unterhalte, sie gibt ihr Ratschläge und ist für Amber eine Art Familienersatz.
Die Rolle des männlichen Protagonisten übernimmt der Kneipenwirt Katja. Jap, ein Mann der Katja heißt. Obwohl eigentlich heißt er nicht Katja, doch er trägt eine Tätowierung am Hals mit der Aufschrift „Katja“ und so nennt ihn jeder einfach bei diesem Namen. Katja gewährt der flüchtigen Amber nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern bietet ihr darüber hinaus auch einen Job in seiner Bar, dem Bottled, an. Er wird zu so etwas wie Ambers Anker an die Realität, obwohl er selbst sehr Einsam ist.

Alles in allem ist „Niemand liebt November“ ein sehr ungewöhnliches Jugendbuch, das zum Ende hin härtere Töne anschlägt und ehr für die älteren geeignet ist. Es ist ein Buch, dass lange Zeit nachhallt und fesselt! Fans von Antonia Michaelis´Büchern werden sicher nicht enttäuscht.

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 Ein typisches Michaelis-Buch. Poetisch, geheimnisvoll und tragisch. Volle Punktzahl von mir für dieses, nicht ganz leichte, Lesevergnügen. Vielleicht nicht für die breite Masse geeignet, und sicher kein Buch für stahlende Spätsommertage – aber für den anspruchsvollen Leser der perfekte Lesestoff!

fünfherzen

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Vielen Dank an den Oetinger-Verlag für die Bereitstellung dieses Leseexemplars und an Katja von Ka-Sas-Buchfinder, sie stelle die Verbindung zum Verlag her und organisierte darüber hinaus eine grandiose Blogtour, bei der ich teilnehmen durfte. (*Mein Blogtour-Beitrag*)

Unterschrift

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[Rezension] „Das nachtblaue Kleid“ von Karen Foxlee

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Erscheint am 25.08.2014

  • Titel: “Das nachtblaue Kleid“
  • Originaltitel: „The Midnight Dress“
  • AutorIn: Karen Foxlee
  • ÜbersetzerIn: Beatrice Howeg
  • Genre: Jugendbuch
  • Seitenstärke: 192 Seiten
  • Verlag: Beltz & Gelberg
  • Preis: 17,95 €
  • ISBN: 9783407811813

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buchzitat.jpgNur ein Kleid hängt in dem Schrank. Es richt nach Erde, denkt Rose, nach Erde und Regen und Himmel. Sie berührt das Kleid, wie da hängt auf einem einfachen Holzbügel, es ist aus glänzendem, nachtblauen Seidentaft.
(Seite 65)

klappentext.jpgEin Mädchen ist verschwunden.
Sie trug das magische Kleid in dieser unerträglich schwülen Nacht, in der die Zuckerrohrzüge still stehen. Es gibt nicht eine Spur von ihr – ist es Rose oder Pearl?

Karen Foxlee erzählt von Rose, einem Mädchen, das seinen Platz in der Welt sucht. Eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Verrat vor der Kulisse des tropischen Regenwalds Australiens. Ein bewegendes Meisterweg von großer sprachlicher Schönheit.

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Die unnahbare Rose strandet gemeinsam mit ihrem Vater in einem winzigen Kaff an der australischen Pazifikküste. Dort trifft sie auf die unvergleichliche, alles überstahlende Pearl. Zwischen den beiden grundverschiedenen Mädchen entwickelt sich eine Freundschaft. Schließlich überredet Pearl Rose, bei dem Ball der Zuckerrohrernte mitzumachen, dem alle Mädchen entgegenfiebern. So lernt sie Edie Baker kennen.
Gemeinsam mit der eigenartigen alten Näherin, beginnt Rose sich ihr eigenes nachtblaues Traumkleid aus Seide zu schaffen. Stich für Stich fasst das Mädchen immer mehr Vertrauen – doch in der Nacht des Balls geschieht ein schreckliches Verbrechen, das alles überschattet und alles verändert …

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Dieses Buch begleitete mich gleich auf zwei wundersame Reisen. Die eine führte mich mit Tinte und Papier in die geheimnisvollen Regenwälder Australiens, dort spielt „Das nachtblaue Kleid“. Die zweite Reise war eine waschechte Wandertour auf den höchsten Berg Deutschlands – die Zugspitze.
Ja, liebste Lesefreunde, ich habe meine müden Knochen hochgehieft und habe zu Fuß die Zugspitze bestiegen, „das nachblaue Kleid“ im Rucksack. Ein mutiges Unterfangen, denn noch nie im Leben kam ich über die 1.000 Höhenmeter hinaus (von den fast schon 3.000 Höhenmetern, die die Zugspitze misst mal ganz zu schweigen), und wenn mal als Flachlandpirat plötzlich mit den steilen, steinigen Hängen und der dünnen Luft der Berge zu kämpfen hat … da verteufelt man jedes Gramm, das man auf dem Rücken trägt und das halbe Kilo, welches „Das nachtblaue Kleid“ auf die Waage bringt, verflucht mal zwischenzeitlich gleich fünfmal.

Doch wenn man nach einem fast neunstündigen Marsch mit 25 kg Gebäck und nahezu 1.500 Höhenmetern, die man fast vollständig im letzten Drittel der Wanderung hinter sich gebracht hat (oder eben unter sich), ist man froh, wenn man der Steinwüste, die einen jenseits der Baumgrenze erwartet mal für ein kleine Weile in den australischen Dschungel entfliehen kann. Auch wenn am nächsten Morgen bereits weitere 4,5 Stunden Marsch und 900 Höhenmeter lauern, die gebändig werden müssen.

Besonders wenn diese Flucht so poetisch ist, wie Karen Foxlees Roman. Der Roman ist in zwei Erzählweisen unterteilt. Die Handlung wird aus der dritten Person, hauptsächlich aus Rose´ Sicht erzählt. Diese wird durch Zwischenspiele in der Ich-Perspektive eines ungenannten Erzählers ergänzt wird.
Karen Foxlees Schreibstil zeichnet sich durch hauchzarte, magische Formunlierungen, kraftvolle Worte und einem gewissen melancholischen Grundtonus aus. Sie versteht es ganz besondere Bilder zu zaubern, die den Leser einfach nicht mehr loslassen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Figuren. Zum Einen sind da Pearl und Rose, die ungleichen Mädchen. Pearl ist verträumt und voller Erwartungen an das Leben, während Rose das krasse Gegenteil zu ihr bildet. Sie ist verschlossen und in sich gekehrt. Obwohl die Protagonistinnen unterschiedlicher nicht sein könnten, beißt sich das Verhalten der Figuren nicht. Die Beiden ergänzen sich hervorragend, was dem Roman noch mehr Tiefe und Vielfalt gibt.
Doch sind Rose und Pearl nicht die einzigen, beeindruckenden Persönlichkeiten aus „Das nachtblaue Kleid“. Die Figur, die mich persönlich am meisten berührte, ist die alte Edie Baker. Sie weiht Rose in die Geheimnisse der Nähkunst ein, darüber hinaus berichtet sie von ihrem nicht leichten Leben und ihrer Familie. So lockt Rose so aus Schneckenhaus heraus.

Die Geschichte selbst ist tiefgängig und geheimnisvoll. Man erfährt in ihrem Verlauf mehr und mehr über die Vergangenheit und die Charakter der Figuren, über ihre Wünsche und Träume, ihre Erwartungen an sich und ihre Zukunft. Es ist ein Roman, der vom Erwachsenwerden, von Freundschaft und Liebe erzählt – aber ebenso von Schmerz und Verrat, von Tod und Trauer. „Das nachblaue Kleid“ handelt kurz gesagt vom Leben selbst, doch nicht nur von einem Leben. Sondern von Rose´, von Pearls, von Edies und von den Leben all der anderen Figuren. Und wie ein Verbrechen das Leben aller beeinflusst und verändert.

fazit.jpg„Das nachtblaue Kleid“ ist ein poetischer, geheimnisvoller und nachdenklicher Roman, der seinen Leser nicht unberührt zurücklässt. Ich kann euch dieses Buch nur ans Herz legen. Lasst euch auf eine Reise in den australischen Regenwald entführen – dafür müsst ihr nicht unbedingt auf die Zugspitze laufen. 😉

viereinhanlherzen

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Dieses Buch ist das Rezensionsexemplar, das im Rahmen der Aktion „Beltz & Gelberg sucht den Buchblogger des Jahres“ vergeben wurde. Vielen herzlichen Dank an Blogg dein Buch und den Beltz&Gelberg-Verlag für das zur Verfügungstellen des Buchs und die Chance auf den Titel. ❤

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