Was wir zwischen den Seiten verlieren …

waswirverlieren

Liebe Freunde des geschriebenen Wortes,

Vielleicht ist lesen nur der möchtegern-kultivierte Zeitvertreib, als der diese Leidenschaft verschrien ist.

Aber das glaube ich nicht, denn Bücher geben uns viel. Das hat jeder erfahren, der einmal eine Geschichte so richtig geliebt hat.
Doch manchmal habe ich auch das Gefühl, dass Bücher sich im Gegenzug etwas von uns nehmen, dass manchmal – nicht immer, sehr selten sogar – etwas von mir zwischen den Seiten zurück bleibt.

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Ja, es wird wieder Zeit für einen meiner pathetischen Gedankenspaziergänge zum Thema lesen und dieses Mal geht es darum, was Bücher uns nehmen.

blogbeitragsdeko2Der erste Punkt ist natürlich Zeit. Himmel, wie viele Stunden ich damit verbracht habe, meine Nase in Bücher zu stecken – und was ich alles in dieser Zeit hätte anstellen können! Aber Zeit verschwendet habe ich keine… Na gut, manche Bücher waren doch irgendwie vergeudete Lesezeit, aber grundsätzlich kann eine verlesene Stunde keine verschwendete sein.

Lesezeichen gehen fast so gern zwischen den Seiten verloren, wie die Zeit es zu tun pflegt. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist. Aber ich verliere STÄNDIG Lesezeichen in meinen Büchern und finde sie dann irgendwann, manchmal Jahre später, beim erneuten Lesen des Buches wieder. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, keine hübschen Lesezeichen mehr zu benutzen, sondern alles möglich als Ersatzlesezeichen zweckzuentfremden: Briefumschläge, Kassenbons, Bonbonpapier –  Ich könnte die Liste ewig fortsetzten. Halt, es gibt tatsächlich eine Liste! Schaut mal hier gibt es 100 Dinge, die man als Lesezeichen benutzen kann.

Bücher können uns manchmal auch den Spiegel vorhalten. Sie zeigen uns unsere Schwächen und Fehler, führen uns die Dinge vor Augen, vor denen wir uns in der echten Welt verschließen. Geschichten zeigen uns die Welt wie sie wirklich ist oder wie sie sein könnte. Irgendwie nehmen uns so einen Teil unserer Unschuld.

Neil-Gaiman-Fairy-tales-are-moreDann sind da noch die Gedanken. Lesen ist Zerstreuung. Lesen ist eine Möglichkeit, der Welt zu entkommen. Wir verlieren uns selbst und vergessen unseren Alltag, stattdessen gehen wir auf Reisen, retten die Welt, töten Drachen und erleben unzählige Abenteuer. Doch wohin verschwinden die Gedanken, die wir vergessen? Die meisten verdrängen wir nur für eine Weile in den hinteren Teil unseres Verstandes. Manche aber lassen wir zwischen den Seiten zurück. Und gelegentlich finden wir sie irgendwann zwischen den Seiten wieder und erinneren uns daran, wie wir waren, als wir sie dort zurückgelassen haben.

Vielleicht unterscheidet das ein gutes Buch von ein grandiosen Buch. Diesen Platz zwischen den Worten, die wir einnehmen – die Lücke, die wir als Leser mit unseren eigenen Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen füllen. Vielleicht ist das der wahre Zauber des Lesens.

LiebstUnb1enannt

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3 Kommentare zu „Was wir zwischen den Seiten verlieren …

  1. Liebe Bianca,

    das Gedankenkarussell ist so passend und ich erkenne mich wieder. Es bleibt immer etwas zurück, kein Buch übergeht einen 🙂
    Und manchmal erschafft ein Buch auch einen weiteren Lebenswunsch, den man sich erfüllen möchte wie eine Reise oder eine Situation, die man herbeisehnt.

    Liebe Grüße
    Tina

  2. Eine interessante Fragestellung! Ich finde an Literatur das schöne, dass sie einerseits der Gesellschaft den Spiegel vorhält, Kritik äußern kann ect., auf anderen Seite auch die Möglichkeit bietet sich in ihr zu verlieren und die Gegenwart für einen kurzen Augenblick auszublenden. Ein Grund warum ich immer mal wieder Harry Potter lese oder mir die Hörbücher anhöre, ist das ich etwas bekanntes benötige, so vieles verändert sich und da gibt einem eine altbekannte Geschichte halt. Zumindest geht es mir da so.
    Liebe Grüße
    Nadine

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