{Blogtour} Der verfluchte zweite Band ~ „Blut gegen Blut 2“ von Benjamin Spang & Gewinnspiel

Liebste Bücherwürmer,

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Herzlich Willkommen zum Freitag der „Blut gegen Blut 2“-Blogtour. Ich hoffe sehr euch hat die Reise bis hierher gefallen, macht es euch bequem, denn wir gehen heute wieder in die Vollen. Im Nachfolgenden werden wir uns gemeinsam mit Benjamin Spang, dem Autoren von „Blut gegen Blut“, näher mit dem nicht unumstrittenen Thema „zweiter Band“ auseinander setzten, es gibt eine weitere tolle Kurzgeschichte zu lesen und im Rahmen des Gewinnspiels müsst ihr wieder ein kniffliges Zahnradrätsel lösen.

Wenn euch unsere Blogtour anfixt, ebenfalls in die Welt von „Blut gegen Blut“ einzutauchen, könnt ihr den Autor und die Bücher unterstützten. Gerade findet nämlich eine Crowdfunding-Aktion statt! Diese geht vom 05. August bis 09. September 2018 unter https://www.startnext.com/blutgegenblut2

Seid gespannt und jetzt bleibt mir nur, euch ganz viel Spaß zu wünschen.<3

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Hätte die Beziehung zwischen Lesern und dem zweiten Teil einer Reihe einen Beziehungsstatus, so würde dieser wahrscheinlich lauten „es ist kompliziert“. Besonders bei Trilogien – aber nicht ausschließlich – erscheint der zweite Band wie ein Lückenfüller zwischen dem einführenden ersten Band, in dem die Leser die Welt und ihre Figuren kennen lernen, und dem abschließenden dritten Teil, in dem alle Fäden zu einem fulminanten Finale zusammen laufen.

Nicht immer, aber verdächtig häufig, ist der zweite Band der Schlechteste. Besonders Vielleser sind mit diesem dubiosen Phänomen vertraut und einige hegen ein gewisses Misstrauen gegenüber diesen speziellen Fortsetzungen. Ich könnte dutzende Reihen aufzählen, in denen der zweite Teil im Vergleich zum ersten oder dritten oder den folgenden Bänden schwächelt. Woran das liegt?
Nun, zum einen ist es natürlich schwierig, an die Euphorie einer völlig neuen, aufregenden Welt mit neuen Freunden und neuen Feinden anzuschließen. Und der dritte Band kann mit einem grandiosen Finale, einer epischen Schlacht oder einem genialen letzten Schachzug aufwarten – was bleibt da dem mittleren Buch? Vielleicht ist es ein bisschen, wie mit drei Geschwistern: das Sandwich-Kind geht ziemlich schnell unter. 😉

Aber ist sind zweite Teile wirklich so mies, wie wir Leser sie beschreiben? Ich finde, dass man das auf gar keinen Fall pauschalisieren darf und versuchen sollte, dem zweiten Band mit Vorfreude und buchigem Optimismus entgegen zu sehen – denn die Erwartungshaltung beeinflusstdie spätere Meinung ungemein und ihr lauft Gefahr, euch ein eigentlich grandioses Buch völlug zu Unrecht madig zu machen.

Aber was sagt der Autor eines zweiten Bandes zu dem Thema? Lasst uns Benjamin fragen. Der hat nämlich gerade seinen ersten zweiten Teil geschrieben.

Benjamin, kennst du als Leser das Phänomen des „verfluchten zweiten Bandes“? Kennst du schlechte zweite Teile oder auch hervorragende mittlere Bände?
Bei Büchern hatte ich bisher tatsächlich noch nie den Fall, dass der zweite Band wesentlich schlechter als der erste gewesen wäre. Ich habe bei Fortsetzungen vielmehr die Filmbranche vor Augen.
Da habe ich ein bisschen recherchiert, was die Sache angeht, dass der Nachfolger schlechter ist als der erste Teil und musste feststellen: Irgendjemand fand es eine gute Idee, „Titanic 2“ zu drehen.
Wow. Jaja, auch Dirty Dancing 2 gab es. Und „Speed 2“ ohne Keanu Reeves. Das ist so eine Sache, die eine Fortsetzung gerne floppen lassen: Nicht dieselben Schauspieler wie beim ersten Teil.
Aber es gibt auch positive Beispiele was Fortsetzungen angeht. Zum einen das Paradebeispiel „Terminator 2“. Eine richtig toller, zweiter Teil, der auch wunderbar gealtert ist. Und, etwas modernere Beispiele: Guardians of the Galaxy 2 und Deadpool 2. Beides tolle Fortsetzungen, die dem Zuschauer mehr davon geben, was er im ersten Teil bekommen hat.

Demnächst veröffentlichst du deine erste Fortsetzung. Bist du schon aufgeregt? In wieweit fühlt es sich anders an, als beim Veröffentlichen deines ersten Buches?
Nach dem Beenden von „Blut gegen Blut 2“ habe ich tatsächlich Nichts gefühlt. Ich war einfach nur leer. Ein seltsames Gefühl. Aber ja, ich freue mich, den zweiten Teil an die Leser raus zu geben und ihre Reaktionen darauf zu sehen.
Das Marketing ist etwas schwieriger für einen zweiten Band, habe ich gemerkt. Ich muss die Balance finden zwischen „Das passiert Tolles in Band 2!“ und „Das verrate ich besser nicht, weil das Leute spoilert, die Band 1 noch nicht gelesen haben!“.

Wie hat dich das Wissen, dass viele Leser dem 2. Band einer Reihe skeptisch gegenüber stehen, im Schreiben beeinflusst?
Überhaupt nicht. Ich habe so lange am Plot des Romans gearbeitet, bis ich selbst so davon begeistert war, dass ich gar nicht anders konnte, als ihn zu schreiben.
Und meine Testleser haben mir Gott sei Dank auch das Feedback gegeben, dass mich entspannt auf die Veröffentlichung blicken lässt. Sie waren alle sehr begeistert von der Story.

Gab es bestimmte Schwierigkeiten oder Herausforderungen dabei, einen Folgeband zu schreiben? Wenn ja welche?
Ich musste immer mal wieder in Band eins nachlesen, wie eine bestimmte Stadt ausgesehen hat oder was ein bestimmter Character in dieser oder jenen Szene gemacht hat, wenn ich in Band zwei Bezug darauf nehme. Des Weiteren muss man es mit einem zweiten Band schaffen, den Lesern das zu geben, was sie im ersten Band so gemocht haben, muss aber gleichzeitig was Neues abliefern und die Leser überraschen. Nach dem ersten Band kann ich den zweiten z.B. nicht einfach ins Genre „Romantasy“ verfrachten

Was würdest du Autoren oder auch Fans raten, wenn es um zweite Bände von Buch- oder auch Filmreihen geht?
Autoren rate ich, ein wenig zu recherchieren. Schaut euch gute und auch schlechte Fortsetzungen an, egal ob Filme oder Bücher. Lest Kritiken zu diesen Werken: Warum waren sie gut oder schlecht? Übernehmt das Wissen für eure eigene Arbeit.
Fans empfehle ich, die großartige Erfindung des Internets zu benutzen, um sich durch Rezensionen über Bücher und Filme zu informieren, bevor sie diese konsumieren.

Jetzt, wo der zweite Band von „Blut gegen Blut“ in den Startlöchern steht: Hast du schon Pläne, wie es weiter gehen wird?

Blut gegen Blut 3 ist definitiv geplant, dafür habe ich auch bereits ein paar Notizen gemacht und das Projekt ist in meinem Schreibprogramm „Scrivener“ angelegt. Daneben wollte ich auch irgendwann einmal eine Ebook-Reihe schreiben und es ebenfalls irgendwann einmal schaffen, meinen Slenderman-Kurzgeschichtenband zu veröffentlichen. Es gibt also viele Pläne und ich habe die Qual der Wahl, was ich als nächstes mache.

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DIE KURZGESCHICHTE

Helena_Kneipe

Das starke Geschlecht
Spin-Off-Geschichte zum ersten Band von Blut gegen Blut

“Die goldene Kaschemme”, stand in großen Messinglettern über der Holztür. Balduin und Caspari gingen vor, Helena folgte ihnen hinein.
Große, Runde Tische standen in dem Schankraum, von denen nur drei besetzt waren. Zwei ältere Herren in der Mitte des Raumes spielten Karten und rauchten Pfeife. An zwei anderen Tischen links von ihnen saßen auch jeweils zwei Männer, unterhielten sich und tranken Bier. Sie alle sahen aus wie typische Arbeiter oder Händler. Vielleicht auch Bauern. Alle stoppten ihre Tätigkeit, um Helena und ihre Begleiter skeptisch zu mustern, bevor sie wieder damit weitermachten, was sie eben gerade taten.
Caspari wollte sich an einen der Tische in der Mitte setzen, aber Helena gab ihm mit einer Geste zu verstehen, dass er weitergehen solle zu einem der hinteren Plätze.
Dort setzte sich Balduin auf den Stuhl, der mit dem Rücken zur Wand stand.
“Das ist mein Platz”, sagte Helena.
Balduin, der schon nach der kleinen Speisekarte im Messingständer gegriffen hatte, blickte sie vorwurfsvoll an.
“Kannst du dich nicht …”
“Nein, kann ich nicht. Los, steh auf. Du weißt warum. Lass uns nicht jedes mal deswegen diskutieren”, sagte sie und machte mit einer ungeduldigen Geste deutlich, dass er sich beeilen solle.
“Es sind kaum Leute hier”, sagte er, stand auf und ging um den Tisch, um sich neben Caspari zu setzen.
“Sucht euch was aus und bestellt. Ich will hier nicht länger unsere Zeit vergeuden als nötig”, sagte Helena und setzte sich, die Wand im Rücken.
Rechts von ihnen standen jede Menge unbesetzte Barhocker vor der langen Theke, hinter der eine füllige, blonde Frau mit Zöpfen stand. Sie blätterte in einer Zeitung und schien sie nicht bemerkt zu haben. Direkt über ihr hing ein Schild “Bestellungen nur hier”.
Helena seufzte.
“Sagt mir, was ihr essen und trinken wollt, dann gehe ich nach vorne”, sagte sie und nahm sich selbst eine der kleinen Pappkarten. Nach wenigen Sekunden hatte sie sich entschieden.
“Ich trinke einen Kizz-Prickler und die fettige Hähnchenkeule”, sagte Caspari. Helena nickte und blickte zu Balduin, der immer noch unschlüssig die Karte musterte.
“Balduin, du strapazierst meine Geduld”, sagte sie.
“Moment, Moment. Ja, ich weiß. Aber das klingt alles lecker!”
“Na dann ist es doch egal. Nimm irgendwas!”
“Nein, es ist nicht egal. Fisch hatte ich schon zum Frühstück, Kartoffeln hatte ich gestern und mit Hähnchen hatte ich vor kurzem keine gute Erfahrung.”
“Balduin”, sagte Helena. “Kannst du dir vielleicht vorstellen, dass wir im Moment Wichtigeres zu tun haben, als uns über Fisch, Kartoffeln und Hähnchen zu unterhalten?”
“Du hattest Fisch zum Frühstück?”, fragte Caspari. “Das ist wirklich ekelhaft”.
“Ich stehe jetzt auf und bestelle dir irgendwas, ist mir egal”, sagte Helena und stand auf.
“Warte, ich nehme … den Fisch. Und ein Hofstein-Bräu, wenn wir schon mal hier sind!”
“Ich habe zu danken, hochgeschätzter Balduin”, sagte Helena und machte grinsend eine Verbeugung, bevor ihr Grinsen sofort wieder erstarb.
Sie ging zur Theke, wo die füllige Frau gerade ihren Daumen anleckte, um eine weitere Seite der Zeitung umzublättern.
“Guten Tag!”, sagte Helena. “Wir hätten gerne zweimal den Fisch, einmal die Hähnchenkeule, zwei Hofstein-Bräu und einen Kizz-Prickler!”, sagte sie und blickte dabei in die Augen der Wirtin, aus denen die pure Leere zu gähnen schien.
“Na gut”, sagte sie, entfernte sich von ihrer Zeitung und schlurfte zu einer Tür, die sie mit einem Schlag öffnete und dahinter verschwand. Kurz darauf hörte man, wie sie die Bestellung genau so wiedergab, wie Helena sie ihr diktiert hatte. Nur schreiend, als wäre der Koch schwerhörig.
Helena drehte sich um und sah, dass die Arbeiter an den anderen Tischen alle ein Auge auf sie geworfen hatten. Das Kartenspiel pausierte und auch das Bierglas blieb unberührt.
Sie war es gewohnt.
Caspari, Balduin und sie waren Doppelmond-Agenten. Unterwegs im Namen der Menschheit, um Vampire und Werwölfe nicht nur innerhalb der Städte, sondern auch vor den schützenden Mauern zu bekämpfen. Mit ihren weiten, dunkelgrauen Mänteln, der orangen Fütterung und den Messing-Abzeichen an den Schultern trugen sie recht auffällige Kleidung. Zumal das Menschen-Kreuz in schwarz über den gesamten Rücken des Mantels gezeichnet war. Das alleine war Grund genug, sie anzustarren. Aber dazu kam, dass Helena Keska die erste und bisher einzige weibliche Doppelmond-Agentin war, die die Menschheit je gesehen hatte. Nur wenige Frauen trauten sich das überhaupt zu und von diesen wenigen hatte es bisher keine außer ihr geschafft, die fordernde Ausbildung erfolgreich abzuschließen.
“Was erhoffst du dir vom Inquisitor?”, fragte Caspari, als Helena sich wieder an den Tisch setzte.
“Ich will ihn um Erlaubnis bitten Fotosz anzugreifen.”
“Du willst eine Stadt der Vampire angreifen und glaubst, der Inquisitor genehmigt das?”
“Ja. Aus der Luft mit unseren Zeppelinen. Keine Bodentruppen. Wir fliegen rein, finden diese Göre und fliegen wieder raus. Schnell und einfach.”
Caspari schüttelte den Kopf.
“Schnell und einfach wird das nicht. Krieg ist nicht schnell und niemals einfach”, sagte er.
In dem Moment kam die Wirtin mit einem Tablett in der Hand hinter der Theke hervor und schlurfte an ihren Tisch. Sie nahm den Kizz-Prickler, eine rundliche Flasche, und stellte sie vor Helena.
“Nein, ich hatte ein Bier!”
Während sich Caspari die Flasche griff, blickte die Wirtin sie für einen Moment erstaunt an. Dann stellte sie erst Helena und dann Balduin jeweils ein goldgelb gefülltes Bierglas hin.
“Essen kommt gleich”, krächzte die Frau, drehte sich um und dackelte zurück hinter die Theke.
“Ich hätte doch die Kartoffeln nehmen sollen. Mist”, sagte Balduin und griff zu seinem Bier.
Helena nahm das kühle Glas in die Hand und dann einen großen Schluck. Der Schaum kitzelte an ihrer Nase, während sie den malzigen Geschmack genoss, der sich in ihrem Mund ausbreitete. Als sie das Glas abstellte, sah sie, dass sich die Tür der Taverne öffnete. Eine dunkle Stimme füllte den kompletten Schankraum mit einem herzhaften, unsympathischen Lachen. Dem Großgewachsenen, ölverschmierten Kerl, dem es gehörte folgten vier weitere. Sie trugen alle die gleiche Kleidung. Dunkelbraune Hosen mit vielen Taschen, dunkelblaue Hosenträger über schwarzen Hemden und eine blaue Schirmmütze auf dem Kopf. Arbeiter aus einer der vielen Fahrzeugfabriken, die es hier in Hofstein gab.
“Melly, ich brauch’ dich hier!”, plärrte die Wirtin durch die Tür hinter der Theke in den dahinterliegenden Raum.
Eine junge Frau erschien mit gesenktem Blick. Sie hob nur kurz den Kopf, um das Nicken der Wirtin in Richtung der Gäste zu sehen, dann starrte sie wieder schüchtern auf den Boden und ging weiter. Sie hatte langes, blondes Haar und trug die einfache schwarz-weiße Kleidung einer Bediensteten, inklusive einem recht kurzen Rüschenrock. Als sie an Helena vorbeiging in Richtung des großen Tisches mit den fünf gerade angekommenen Arbeitern, sah es aus, als würde sich ein junges Lamm einem Rudel Werwölfe zum Fraß vorwerfen.
Die Männer bemerkten sie aufgrund ihrer lauten Unterhaltung zunächst gar nicht, als sie an den Tisch trat. Erst als der Großgewachsene sie sah und die anderen seinem Blick folgten, verstummten sie abrupt, als würden sie ein seltenes Naturschauspiel bewundern.
Egal was er jetzt bestellen würde, in seinen Augen konnte man sehen, was er wirklich wollte. Die junge Frau schrieb sich nacheinander die Bestellung der fünf Kerle auf, während sich ihr die Hand des Großgewachsenen von hinten näherte.
Helena beobachtete das Ganze mit zusammengebissenen Zähnen.
Er tat es.
Er streichelte die Kellnerin an der Innenseite ihres Oberschenkels, weshalb sie erschrocken einen Schritt rückwärts ging.
“Hab dich nicht so”, rief der Mistkerl lachend.
Die junge Frau drehte sich um und ging mit noch tiefer hängendem Kopf an Helena vorbei, der sie einen kurzen Blick zuwarf.
Am Tisch der Arbeiter herrschte ein großes Gelächter.
“Helena, nicht. Bitte”, sagte Caspari, der die Situation scheinbar mit angesehen hatte.
Balduin, der mit dem Rücken zu den Arbeitern saß und immer noch die Speisekarte musterte, blickte auf.
“Was ist los?”, fragte er.
“Helena will ihre Liste der Tavernen erweitern, in denen sie Hausverbot hat”, sagte Caspari.
“Kannst du das auch nach dem Essen machen, Helena? Bitte?”, sagte Balduin. Helena ignorierte ihn und blickte an ihm vorbei. Der Großgewachsene Mistkerl blickte kurz zu ihr und bemerkte, dass sie ihn beobachtete. Helena wandte den Blick nicht ab, der Arbeiter schon. Aber auch nur, weil hinter Helena die junge Frau mit zwei Tellern in der Hand neben sie an den Tisch trat und ihr und Balduin den Fisch sowie Messer und Gabel vorsetzte.
Helena musterte die Kellnerin dabei genau und sah, wie hübsch sie wirklich war. Aufkommende, schmutzige Gedanken verdrängte sie, indem sie sich entschloss, ihre Konzentration auf das Essen zu richten, das vor ihr stand. Je schneller sie hier fertig waren, desto schneller saßen sie beim Inquisitor, um eine wichtige Angelegenheit zu besprechen.
Die Kellnerin verschwand wieder und tauchte dann erneut auf, stellte Caspari die Hähnchenkeule hin und legte das Besteck neben seinen Teller.
“Esst zügig!”, sagte Helena, blickte der Kellnerin hinterher und fing damit an, ihren Fisch von den Schuppen zu befreien. In dem Bereich, den sie freigelegt hatte, schnitt sie den ersten Bissen ab und ließ ihn sich auf der Zunge zergehen. Das Fleisch schmolz förmlich in ihrem Mund.
Balduin stopfte sich erst zwei der kleinen Tomatenhälften der Beilage in den Mund, bevor er sich dem Fisch widmete. Caspari neben ihr ignorierte das Besteck und nahm die Hähnchenkeule in die Hand, um genüsslich reinzubeißen.
Während Helena einen weiteren Bissen des Fischs genoss, kam die Kellnerin mit einer brutzelnden Pfanne hinter der Theke hervor und ging damit an den Tisch der Arbeiter. Auf der Karte hatte sie etwas von einer heißen Wurstpfanne gelesen. Der Geruch bestätigte ihre Vermutung.
Die junge Frau stellte die Pfanne zwischen die Männer auf den Tisch und verließ diesen wieder umgehend. Die Wirtin stellte derweil fünf Teller inklusive Besteck auf die Theke, welche die Kellnerin nahm und anschließend unter den fünf Arbeitern verteilte. Dabei ließ es sich der großgewachsene Mistkerl nicht nehmen, der jungen Frau erneut an den Oberschenkel zu fassen. Diesmal kein Streicheln, sondern ein fester Griff.
Erschrocken und ohne etwas zu sagen drehte sie sich um und ging mit schnellen Schritten zurück in Richtung Theke. Als sie an Helena vorbeieilte, sah sie, dass der jungen Frau eine Träne aus dem Auge lief.
Helena blickte zu den Arbeitern und musterte den Großen, der sich gerade lachend mit einem Löffel aus der Pfanne bediente, während sich die anderen unterhielten.
“Hey, Arschloch!”, rief sie.
Die Arbeiter verstummten schlagartig. Die beiden, die mit dem Rücken zu Helena saßen, drehten sich verwundert um.
Caspari beugte sich zu Balduin.
“Ich rate dir, schneller zu essen, wenn du satt werden willst”, sagte er und grub sein Gesicht in die Hähnchenkeule.
“Wen von uns meinst du?”, sagte der Große. Seinem Blick nach zu urteilen hatte er früher in der Schule nur Unterricht im Schraubendrehen nach links und im Schraubendrehen nach rechts.
“Dich”, sagte Helena. “Wenn du die Kellnerin noch einmal anfässt, komme ich zu dir an den Tisch und fasse dich an”, sagte sie.
Die Arbeiter quittierten diese Bemerkung mit Gelächter und gespielt verwunderten Lauten.
Der Großgewachsene grinste und nahm sich einen weiteren Löffel aus der Pfanne, den er sich auf den Teller schaufelte. Dabei neigte sich sein Kollege rechts von ihm rüber und flüsterte ihm etwas zu. Diesem antwortete er etwas, was Helena jedoch nicht hören konnte.
Die Agentin nahm einen großen Schluck ihres Bieres sowie einen weitere, großen Bissen vom Fisch. Nein, sie würde ihre Mahlzeit nicht ganz aufessen, soviel war sicher. Sie kannte solche Typen wie diesen Mistkerl. Noch kauend griff sie in die Innentasche ihres Mantels nach ihrem Geldbeutel. Im Kopf rechnete sie grob die Preise der drei Gerichte und der Getränke zusammen und legte dann einen Fünfzig-Solid-Schein neben ihren Teller. Dann fiel ihr ein, dass ein Exemplar von jedem Mobiliar in der Regel auch immer zu Bruch ging. Sie musterte den Tisch und einen der Stühle und legte dann noch einen Zwanzig-Solid-Schein obendrauf.
Balduin stöhnte.
“Oh nein, sie legt Geld auf den Tisch. Kein gutes Zeichen”, sagte er mit vollem Mund und schnitt hastig ein weiteres Stück Fisch ab.
“Kannst du das nicht einfach ignorieren?”, fragte Caspari kauend.
“Nein”, sagte Helena. “Ich kämpfe in dieser Sache nicht nur für mich”, sagte sie. “Es schockiert mich, dass ihr anscheinend nichts dagegen unternehmen wollt!”
“Du hast selbst gesagt, dass wir uns beeilen sollen. Du willst schließlich zum Inquisitor. Etwa mit aufgeschlagener Lippe?”
“Ja, wenn es sein muss, auch mit aufgeschlagener Lippe. Von kleinen, dummen Jungs lasse ich mich nicht ärgern!”
“Dumm mag er vielleicht sein. Aber klein? Er ist fast einen kompletten Kopf größer als du. Und du bist schon riesig. Für eine Frau.”
Helena legte den Kopf schief.
“Dir sollte ich auch mal eine verpassen!”, sagte sie mit einem freudlosen Lächeln.
Die junge Kellnerin kam mit einem Tablett aus der Tür, auf der mehrere Bierflaschen standen und ging in Richtung der Arbeiter. Dort stellte sie nacheinander die Flaschen ab, auch eine vor den großen Mistkerl, der sie plötzlich am Arm packte und zu sich runter zog. Sie versuchte sich zu wehren, aber gab keinen Mucks von sich. In ihrem Gesicht sah man ihre Verzweiflung, denn er war viel zu stark und zog sie mit Leichtigkeit so weit nach unten, dass er ihr einen Kuss auf die Wange geben konnte. Dann ließ er sie los, sie rannte mit dem Tablett in Richtung Theke und verschwand hinter der Tür, vorbei an der gelangweilten Wirtin, die in ihrer Zeitung blätterte.
“Ihr solltet schneller essen”, sagte Helena, knöpfte ihren Mantel auf und erhob sich von ihrem Stuhl. Mit den dumpfen Schritten ihrer Stiefel über den Holzboden ging sie an den anderen Tischen vorbei in Richtung der der fünf Männer, die sich gerade ihrem Bier widmeten.
Als der Große am Tisch sah, dass sie sich ihnen näherte, verstummte sein Lachen abprupt. Das der anderen Männer auch, als sie Helena bemerkten.
Jetzt, wo sie neben ihm stand, stellte sie fest, dass der Große wirklich groß war. Auch im Sitzen.
“Fühlt ihr euch wie richtige Männer?”, fragte sie und blickte in die Gesichter der Arbeiter.
“Fühlst du dich denn wie einer in deiner Verkleidung als Doppelmond-Agent?”, fragte der Große und nahm einen Schluck aus seiner Bierflasche.
Helena grinste.
“Mein praller Arsch sowie die beiden Brüste hier vorne lassen mich jeden Tag wissen, was ich bin. Beides Dinge einer Frau, die man nicht ungefragt anfässt. Das scheint dir aber noch niemand beigebracht zu haben.”
Jetzt war es der Mistkerl, der grinste.
“Ich wette, du trägst den Mantel nur, weil du sehr vielen, wichtigen Männern erlaubt hast, dich anzufassen. Deine Mama hätte dir besser mal gezeigt, wo du wirklich hingehörst!”, sagte er lachend und stellte seine Bierflasche ab.
Helena griff diese und donnerte sie ihm mit voller Wucht von oben herab aufs Jochbein. Der Kerl erschrak, schrie und sprang mit einem undeutlichen Fluch auf den Lippen auf. Er war tatsächlich einen Kopf größer als Helena, aber nicht so geschickt, denn er versuchte, sie zu packen, aber sie schlüpfte unter seinem Griff hindurch und war jetzt in seinem Rücken, wo sie sich seinen Stuhl schnappte, ausholte und auf ihn schmetterte. Das Holz zerbrach auf seinem massiven Körper und er stürzte dabei auf einen der Holztische, sofort unter seiner Last zerbrach. Die unbeteiligten Gäste in der Taverne sprangen auf und rannten nach draußen, die Arbeiterkollegen waren ebenfalls vor Schreck aufgesprungen, standen aber nur tatenlos da, während sich der Mistkerl langsam wieder aufrappelte.
“Helena, hör auf! Was …”
Sie blickte zu Caspari und Balduin, die kauend am Tisch standen und sie anstarrten, als sie plötzlich von einer ungeheuren Wucht gepackt wurde. Der Großgewachsene donnerte sie an die Wand hinter ihr, an die er auch ihre beiden Handgelenke presste. Helena kämpfte gegen seine schraubstockartigen Griffe an, aber konnte ihre Hände kein Stück bewegen. Der Mistkerl kam ganz nahe vor ihr Gesicht. Aus der Platzwunde unter seinem Auge floss Blut heraus.
“Doppelmond-Agentin, das ich nicht lache”, zischte er. “Ihr Weibsbilder hält es vor den Stadtmauern doch keine zwei Sekunden aus.”
Helena gab ihm einen Kuss auf die Nasenspitze und ihr gerade noch angestrengtes Gesicht verwandelte sich abrupt in ein Grinsen. Der Kerl guckte verdutzt. Dann verzerrte er sein Gesicht vor Schmerz, als Helena die Spitze ihres Stiefels mit voller Wucht in seinen Schritt donnerte. Sie senkte ihr Bein und trat noch einmal heftiger zu. Er ließ sie los, hielt sich mit einem Schmerzensschrei den Schritt und ging auf die Knie.
“Raus hier! Sofort!”, krächzte jemand neben Helena und unterbrach damit ihr breites Grinsen. Sie drehte den Kopf und blickte erst in den Lauf einer Schrotflinte und dann in das zornige, aufgedunsene Gesicht der Wirtin, die diese Schrotflinte in den Händen hielt.
“Und nimm deine seltsamen Freunde mit. Ihr habt Hausverbot. Alle drei. Los!”
Sie ließ die Waffe ruckartig nach vorne schnellen, um Helena Beine zu machen. Diese ließ sich davon aber nicht beeindrucken und blickte noch einmal auf den sich windenden Kerl am Boden. Der nahm gerade eine Hand aus seinem Schritt, wo sich ein breiter Blutfleck gebildet hatte. Erschrocken blickte er auf das Blut an seiner Hand und schrie erneut.
“Stell dich nicht so an!”, sagte Helena. “Ich blute da unten einmal im Monat mit den gleichen Schmerzen, stelle mich aber nicht so an wie du!”
Sie blickte zu Balduin und Caspari, die immer noch kauend neben dem Tisch standen und sie anblickten. Balduin nahm noch einen Bissen des Fischs auf die Gabel und steckte sie sich in den Mund.
Mit einem Kopfnicken gab sie beiden zu verstehen, ihr nach draußen zu folgen. Unter dem bösen Blick der Wirtin ging Helena an dieser sowie an den ratlos herumstehenden Arbeiterkollegen vorbei nach draußen. Gleich hinter ihr kamen Balduin und Caspari durch die Tür und so gingen sie gemeinsam über die Straße.
Deine Mama hätte dir besser mal gezeigt, wo du hingehörst.
Mit diesem Spruch hatte er definitiv einen Nerv bei ihr getroffen. Aber dafür hatte sie bei ihm tausende Nerven zwischen seinen Beinen getroffen. Was von beidem schmerzhafter war, konnte sie in diesem Moment nicht entscheiden.
“Muss das immer so enden?”, fragte Balduin schmatzend, als Helena auf der anderen Straßenseite stehen blieb, um sich zu orientieren.
“Ja, es muss immer so enden”, sagte Helena. “Ich trage diese Uniform nicht nur für mich. Ich trage sie für alle Frauen.”
-> Wer auf weitere Abenteuer mit Helena Keska scharf ist, kann sie im ersten sowie im zweiten Band von “Blut gegen Blut” erleben!

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DAS GEWINNSPIEL

Hilf Katrina, die richtigen Buchstaben zu sammeln und gewinne 2 x ein fettes “Blut gegen Blut – Paket” mit Teil 1 und Teil 2 als Hardcover und Ebook, zwei Making-OF DVD’s, drei tollen Notizbüchern und dem exklusiven Ebook “Faedora”!
In welche Richtung drehen sich die Zahnräder?

Gehe vom ersten Zahnrad aus und arbeite dich vor. Dreht sich das Zahnrad mit den beiden Buchstaben nach oben oder nach unten? Notiere den entsprechenden Buchstaben und besuche auch die anderen Blogs, um das Lösungswort herauszufinden!

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Teilnahmebedingungen:
Hast du alle Blogs der Blogtour besucht und alle Buchstaben korrekt, ergeben diese ein Lösungswort. Sende dieses an: benjamin.spang@gmail.com. Unter allen Einsendungen wird der Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen! Teilnahmeschluss ist der 09. September 2018.

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ÜBER „BLUT GEGEN BLUT 2“

blutgegenblut

Von den Werwölfen ausgestoßen, muss sich Katrina alleine auf die Reise in Richtung Vampirstadt Fotosz machen. Dort soll sich die sogenannte “Blutschrift” befinden, ein altes Artefakt der Vampire, mit dem sie ihre tote Eltern wiederbeleben kann. Aber sie ist nicht alleine hinter diesem Artefakt her. Schnell stellt sich heraus, dass auch die Bluthexe Faedora nach der Macht des Artefakts strebt. Ebenso Eliska, die Herrscherin der Vampire, die sich dabei gegen das “Kollektiv der roten Versalie”, einer Vereinigung von Vampir-Blutmagiern, behaupten muss. Wie kann sich Katrina gegen all diese Gegner zur Wehr setzen? Und inwiefern greift Doppelmond-Agentin Helena in das Geschehen ein, die eigentlich ganz andere Ziele verfolgt? (Quelle)

Unterstützt die Umsetzung des Romans, indem ihr das Buch schon jetzt innerhalb der Crowdfunding-Kampange kauft! In manchen Paketeb ist auch Band 1 enthalten.

-> https://www.startnext.com/blutgegenblut2

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DIE BLOGTOUR

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Liebste Grüße, viel Freude beim Lesen von „Blut gegen Blut 2“ und besonders viel Glück beim Gewinnspiel,

Unb1enannt

4 Kommentare zu „{Blogtour} Der verfluchte zweite Band ~ „Blut gegen Blut 2“ von Benjamin Spang & Gewinnspiel

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