Verloren im Genrewald (Teil 3) – Genrekonventionen: literarisches Schubladendenken || Krimi & Thriller

verloren im genrewaldEs ist soweit! Endlich erscheint hiermit der dritten Teil der Verloren im Genrewald-Reihe. Wobei: Eigentlich ist es ja der zweite Part des zweiten Teiles, denn es geht wieder um Genrekonventionen, dieses mal – weil einige von euch es sich gewünscht hatten – um die Konventionen innerhalb der Genres Krimi und Thriller.

Was waren nochmal Genrekonventionen…?

Bevor wir aber wieder richtig tief in die Materie eintauchen, klären wir noch einmal in aller Kürze, was überhaupt „Genrekonventionen“ sind: Unter Genrekonventionen versteht man die Richtlininen nach denen ein Roman einem entsprechenden Genre zuzuordnen ist. Sie sind von bestimmten Attributen wie dem Hauptplot, den Hauptcharakteren und/ oder den Rahmenbedingungen der Geschichte abhängig. Genrekonventionen sind letztendlich Klischees, die einem speziellen Genre zuzuordnen sind. Der Hauptplot, die Hauptfigur/en und die Rahmenbedingungen erfüllen also zumeist mehrere Grundsätze, die sich einem bestimmten Genre zuordnen lassen.
Hier ist -ausnahmsweise – Schubladendenken angesagt, denn durch das Definieren der Grundsituation und -Stimmung im Buch werden potenzielle Leser gelockt.

Die unter euch, die es ganz genau wissen wollen, können im vorherigen Verloren im Genrewald genau nachlesen, aus welchen Aspekten eines Buches sich das Genre ergibt, welche Konventionen für welches Genre erfüllt sein müssen. Außerdem findet ihr dort auch die Genrekonventionen der Genres Fantasy und Science Fiction, so wie eine Übersicht der wichtigsten Subgenres und deren Konventionen.

Im ersten Teil von Verloren im Genrewald erläuterte ich Grundsätzliches wie Was ist ein Genre?, Was ist ein Subgenre? und Was ist eine Kategorie?, was bedeuten diese Begriffe, wie werden sie definiert und wozu sind sie gut?

So, alle alten Erinnerungen aufgefrischt? Ja? Dann darf ich euch nun die Genrekonventionen von Krimis und Thrillern, sowie den Subgenres und deren Konventionen vorstellen.

Falls ihr noch mehr Informationen zu einem bestimmten Genre wollt, dann schreibt mir gerne ein Kommentar und ich schaue mal, wie es sich im übernächsten Verloren im Genrewald unterbringen lässt. Das Thema für Verloren im Genrewald Teil 4 steht nämlich schon fest: Es wird um Comics, Mangas, Graphicnovels und Lightnovels gehen. 🙂

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Genre: Krimi
Genrekonventionen: Die Geschichte steht sich im Schwerpunkt um ein Verbrechen und dessen Aufklärung, die Hauptfigur nimmt eine ermittelnde Rolle ein, die dieses Verbrechen im Laufe der Handlung aufklärt.
Der Leser verfolgt die Ermittlungen während des Lesens.

Subgenres:

⦁ Rätselkrimi/ Landhauskrimi: Dies ist der klassische KrimiDer Leser verfolgt den Ermittlungsvorgang der Hauptperson von der Tat bis zur Aufklärung des Verbrechens und kann mitraten.
⦁ Regionalkrimi: Hier spielt die Geschichte an einem real existierenden Ort und setzt sich mit Gebräuchen, Sitten und stereotypischen Ortsansässigen auseinander. Der Handlungsort wird detailliert beschrieben.
⦁ Polizistenkrimi: Die Hauptfigur/Hauptfiguren sind Teil der Polizei.
⦁ Detektivkrimi: Hier stehen ermittelnden Figuren im Vordergrund, die teil einer Detektei sind oder in beratender Position der Polizei unterstehen.
⦁ Gerichtsmedizinischer Krimi: Hier ermitteln meist Gerichtsmediziner. Die Ergebnisse der Autopsie spielen eine bedeutende Rolle innerhalb der Ermittlungen.
⦁ Gerichtskrimis: Die Handlung oder zumindest ein Großteil der Handlung spielt sich vor Gericht ab. Die Hauptpersonen stehen entweder als Richter, Staats- oder Rechtsanwalt, Zeuge oder Angeklagter vor Gericht
⦁ Noir Krimi: Düstere, nachdenkliche Krimis über seelische Abgründe. Spielen meist in den 40er/50er Jahren. Meist beinhalten sie kein Happy End, auch wenn das Verbrechen aufgeklärt wird.

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Genre: Thriller
Genrekonventionen: Die Geschichte eines Thrillers setzt sich üblicher Weise mit einem bedrohlichen Konflikt auseinander, der nicht nur die Hauptfigur, sondern auch die direkte und indirekte Umwelt (die Familie, eine Stadt, die Welt) gefährdet.
Meist ist es die Aufgabe des Protagonisten, diese Bedrohung zu bekämpfen und abzuwenden.

Subgenres:

⦁ Psychothriller: Hier ist der mentale/ geistige Zustand einer Figur (meist des Antagonisten) Ursprung der Bedrohung
⦁ Politik-Thriller: Ein politischer Thriller spielt im namensgebenden Umfeld. Es geht um politische Entscheidungen, Kriegsführung u.ä.
⦁ Katastrophen-Thriller: Die lebensbedrohlichen Entwicklungen beruhen auf einer Natur- oder von Menschen verursachten Katastrophe.
⦁ Verschwörungsthriller: Oft dem Politik-Thriller sehr ähnlich. Der Protagonist bekämpft eine Verschwörung.
⦁ Spionage-Thriller: In diesem Fall spielten Spione/ Agenten eine wichtige Rolle in der Handlung.
⦁ Medizinische/ Biologische Thriller: In diesem Subgenre ist die Bedrohung medizinischen oder biologischen Ursprungs – also zum Beispiel durch biologische Waffen wie Viren oder ansteckende Krankheiten.

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Ich hoffe, dass diese Auflistung euch etwas weiterhelfen konnte. Falls ihr noch Fragen zum Thema habt, oder nicht wisst, in welches Genre/ Subgenre ihr euer Lieblingsbuch einsortieren sollt, dann scheut euch nicht, mich zu fragen. Gemeinsam finden wir sicher die richtige Schublade für euer Herzensbuch. 😉

Es freut mich sehr, dass diese Reihe euch so gut gefällt und falls euch auch dieser dritte Teil die Wirre Welt der Genres etwas näher bringen konnte: Ein Like und ein liebes Kommentar macht mich sehr glücklich. Gern dürft ihr diesen und die anderen Beiträge im Web streuen – vergesst nicht, mich zu erwähnen. ❤

Liebste Grüße und bis zum nächsten Mal,unterschrift

3 Kommentare zu „Verloren im Genrewald (Teil 3) – Genrekonventionen: literarisches Schubladendenken || Krimi & Thriller

  1. Unheimlich interessant geschrieben! Danke für den Artikel.
    Aber bei dem Thema bitte nicht unter den Tisch fallen lassen, dass nicht jedes Buch sich in die vorgefertigten Standard-Genreschubladen pressen lässt.
    Um beim Thema deines Artikels (Krimi/Thriller) zu bleiben – die Bücher von Autoren wie Rita Falk, Minck&Minck, Lotte Minck, Martina Kempff laufen zwar halboffiziell unter „Regionalkrimi“, weil sie in bestimmten Regionen (Bayern, Ruhrgebiet, Eifel) spielen, aber eine „detaillierte Beschreibung des Handlungsortes“ liegt weniger im Fokus diese Geschichten, denn abgedrehte Plots um skurrile Protagonisten und humorvoll-schräge Twists.
    Im Grunde ist es bei dieser Sorte Krimi völlig Wurscht, wer abgemurkst wurde und ob der Täter je (und, wenn, dann eher dank Kommissar Zufall gefasst wird. Stattdessen mixen sie sehr erfolgreich Elemente des humoristischen Genres bis hin zur Satire mit denen des Krimis.

    Als Autorin, die selbst mit dem Mut der Verzweiflung Bücher schreibt, die in keine Genreschublade passen wollen, ist es mir sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass das Konstrukt der Genre- und Subgenre-Einteilungen nicht für alle Ewigkeiten fest verzurrt bleiben kann und sollte. Ab und an schaffen es gegen Genreschubladen anschreibende Autoren wie Rita Falk, dass eine eigene Genreschublade für sie geschreinert wird.
    Wäre toll, wenn du als Bloggerin mit Reichweite ein Wort für solche Autoren einlegen würdest.
    Denn die Verlage tun es nicht. Die wollen bewährte Strickmuster nicht geändert wissen. (Weshalb ich inzwischen Selfpublishing mache – aber das ist ein anderes Thema.)

    1. Hallo liebe Katharina,
      Du hast natürlich recht. Manche Bücher/ Geschichten lassen sich nicht in eine der klassischen von mir hier vorgestellten Schubladen (ich habe bei Weitem nicht alle Subgenres vorgestellt. Das sind viele und ich kenne nicht alle… xD) einsortieren – und das ist auch gut so. 🙂

      Die Welt der Literatur lebt von ihrer Vielfalt und Kreativität. Es gibt hunderte – ach, tausende verschiedene Subgenres und es werden immer mehr.
      Die Buchwelt wird mit jeder Geschichte – egal ob professionell verlegt oder selbst publiziert – ein bisschen bunter, zauberhafter, lehrreicher und liebenswerter.

      Aber, bitte missverstehe mich nicht, wenn ich dir in deiner Lobrede auf das Durchbrechen von Genrekonventionen nicht 100% zustimmen möchte und auch nicht kann.
      Tatsächlich sind Genrekonventionen kein Übel, sondern eine notwendige Eingruppierung, die es Lesern ermöglicht, ein neues Buch für sich zu entdecken, die es Verlagen ermöglicht, herauszufinden WAS die Leserschaft (=Kundschaft) interessant umd lesenswert findet und was (zumindest theoretisch wahrscheinlich) nicht.

      Doch – und das folgende ist vielleicht gerade für dich interessant – Genrekonventionen sind geradezu unerlässlich für die Quelle der Geschichte. Also dich als Autorin. 🙂
      Sie zeigen geltende Normen, erwartete Verhaltensweisen und damit auch Klischee auf und helfen dabei, Ideen und damit den Figuren, der Storyline und dem gesamten Konstrukt eine Richtung zu geben.

      Was du als Schreiberling daraus machst, also ob du diese Klischees bedienst oder ob du es bewusst nutzt, um damit zu spielen und deine Leserschaft hinters Licht zu gühren und zu überraschen, oder ob du alöes über Board eirfst und ich in deiner Geschichte so richtig austobst, bleibt dir überlassen. 😉
      Letzteres ist, wie du anmerkst mit Risiken verbunden: Verlage sind ehr skeptisch und vorsichtig damit in solche Projekte zu investieren. Denn, wenn man völöig ausbricht, lässt sich ein Buch nicht mehr gezielt vermarkten. Im schlimmsten Fall bekommen die Leser nämlich dann etwas ganz anderes, als sie wollten (!), erwarteten ind wofür sie zahlten.

      Das wiederum ist – und das sage ich dir als „Fachperson Buchbloggerin“ der sicherste Weg, aus einem Buch einen von aller Welt zerrissenen Müllhaufen zu machen.

      Liebe Grüße,
      Bianca

      Ps: ich würde mich sehr über eine weitergehende, lebhafte Diskussion mit dir über das Thema freuen 🙂

  2. Ich finde es generell sehr schwer bei manchen Büchern, da auch wirklich die „Schublade“ zu finden, in die es denn passen könnte. Die Grenzen können so verdammt schwimmend sein.

    In letzter Zeit habe ich es mehrfach erlebt, dass ich dem Stempel „Thriller“ folgte und dann das Buch in meinen Augen ein guter Krimi war, es fehlte mir persönlich der Thrill. Aber Autoren und Verlag sehen das anders. Aus irgendeinem Grund sind meine Erwartungen aber nun mal anders, wenn da Thriller drauf steht. Woran orientieren sich die Verlage und Autoren, um ihr Buch dann unter die jeweilige Kategorie zu stellen, das ist die Frage, die mich dann am meisten umtreibt. Und wie kann man das eigentlich generalisieren? Ist nicht alles in dieser „Ecke“ Spannungsliteratur? MUSS man da wirklich immer spalten? Gut, die Klassifizierung in Richtung Medizin-, Polit-, Histo- usw. -thriller oder -krimi kann ich noch nachvollziehen, das ist auch meiner Meinung nach einfacher zu bezeichnen. Aber Krimi und Thriller…

    Auf alle Fälle finde ich Deine Artikel sehr informativ zu dem Thema. Das hier fällt mir nur sehr ins Auge, weil es nunmal meine bevorzugte „Ecke“ ist 😉

    Liebst und Danke

    Bine

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