Krankheitsbild Buchmesseblues

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Sie ist vorbei … die diesjährige Buchmesse fand vor wenigen Tagen ihr Ende. Und sämtliche Büchernarren erkranken an einer nahezu unheilbaren und nicht zu unterschätzenden Krankheit: dem Messeblues!
Definition
Der Messeblues oder Buchmesseblues (lat. „liber missa deliria“) ist eine Art der melancholischen Verstimmung, die nach einer Buchmesse die Besucher befällt. Besonders Buchblogger sind häufig vom Messeblues betroffen. Ca. 500 BuchbloggerInnen und Booktuber erkranken halbjährlich an den Folgen der Frankfurter und Leipziger Buchmesse . Jedoch ist die Dunkelziffer der Erkrankten erheblich höher, wie Spezialisten vermuten.

Klinik
Der Messeblues äußert sich durch allgemeine Melacholie und Traurigkeit, verträumtes Ins-Nichts-Starren, spontanes Seufzen, gedankenverlorenes Bücherstreicheln oder auch exzessives Twittern unter dem Hashtag #Messeblues.
Besonders häufig äußern Erkrankte ein Gefühl von Sehnsucht nach seinem Rudel, Einsamkeit und Unverstandenheit. Dies rührt vom abrupten Wechsel vom Schwarmleben auf der Buchmesse und der Rückführung in die Einsamkeit der Lesehöhle her. Der menschliche Körper erlebt eine Art Jetlag, den er nicht schnell genug verarbeiten kann.
Auch Mainmetropolen spezifisches Fernweh kann ein Hinweis auf eine Ansteckung mit Messeblues sein. In Fällen besonders starker Erkrankung kann es sogar zu kleineren bis mittelstarken Weinkrämpfen kommen.
Außerdem ist Vorsicht geboten: Kontakt mit einer mit Messeblues erkrankten Person kann zu Ansteckung führen!
Hinzu kommen Begleitkrankheiten wie: Erkältung (durch das Hin- und Herwandern zwischen warmer Messehalle und den Draußen herrschenden kalten Oktoberwetter)
Blasenbildung an den Füßen (aufgrund der zurückgelegten Kilometer)
Muskelkater (ausgelöst durch schwere Taschen, weite Laufwege und unbequeme Sitzgelegenheiten).
Therapie
Eine operative oder medikamentöse Therapie wurde trotz intensiver Forschung noch nicht entdeckt, die Anwendung von Schokolade in hohen therapeutischen Dosen ist zwar bewiesener Maßen wirkungsvoll. Unter Spezialisten ist sie jedoch stark umstritten, da diese Art der Therapie langfristig zu Nebenwirkungen wie Karies oder Adipositas führen kann.
Allerdings gibt es einige konservative Heilungsansätze, die Erkrankten zumindest Linderung versprechen. Dazu gehören das Lesen von Büchern, konsultieren Sie hier am besten Ihren Haus-Buchhändler und besprechen mit ihm eine persönlich auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Langzeitmedikamentation. Besonders in Kombination mit beruhigendem Tee kann diese Therapie die Beschwerden mildern. Tee hilft außerdem die Begleitkrankheit Erkältung zu bekämpfen, die oft mit einem Messeblues einhergeht.
Ebenfalls hilfreich ist ein ausgiebiges Vollbad: Dies trägt zu einer Entspannung von Körper und Geist bei, löst Verspannung und ist damit taugliches Mittel gegen Traurigkeit und Muskelkater gleichermaßen.
Besonders die Kombination aus Buch, Tee und Bad wird empfohlen und gilt aus wirkungsvolle Maßnahme bei einem akuten Messeblues-Schub.
Das Lesen von Messeberichten auf Buchblogs wird häufig empfohlen. Allerdings kann es hier rasch zu einer Überdossierung kommen, was zu einer Wechselwirkung und dadurch durch eine Verstärkung der Erkrankung führen kann.
Eine weitere wirkungsvolle Therapie ist die Sprachtherapie im Rahmen einer Kontaktaufnahme mit anderen Erkrankten. Der Austausch von Erlebnissen auf der Buchmesse und auch ein Erfahrungsaustausch mit der Erkrankung kann dem Patienten helfen, sich mit seiner schwerwiegenden Krankheit auseinander zu setzten. Dies gelingt zum Beispiel mit der Teilnahme an der Messeblues-Challenge von Philip (Book Walk) und Annabelle (Stehlblüten)
Prognose
Die Prognose für Erkrankte ist im Grunde sehr gut. Häufig hält die Akutphase der Erkrankung nur wenige Tage an, und bereits nach 2-3 Wochen klingen die Beschwerden so weit ab, dass ein normales Leben auch mit der Diagnose Messeblues möglich ist.
Problematisch jedoch ist, dass für Betroffene stets die Gefahr einer Wiedererkrankung besteht. Besonders die Monate März (Leipziger Buchmesse) und Oktober (Frankfurter Buchmesse) sind gefährlich. Ein Fernbleiben von Buchmessen empfiehlt sich jedoch nicht, da dies zu starken Entzugserscheinungen führen kann.
Mit freundlichem Gruß,
Doktor der Literatour
Bianca Ida Schneider

16 Kommentare zu „Krankheitsbild Buchmesseblues

  1. Genialer Beitrag! Ich war zwar nicht auf der FBM, kann aber die Beschwerden sehr gut nachvollziehen. So ging es mir im Mai, als ich an einer Gaming-, Filme-, Animemesse war. Drei Tage volles Programm, danach wieder der Alltagstrott. Darauf kann man doch gut und gerne verzichten.
    Viele Grüsse
    Julia

  2. Hallo Bianca, bzw. Frau Doktor der Literatour,
    das ist ja mal eine megatolle Idee, vielen Dank für diesen genialen Beitrag und die Therapievorschläge! Ich fürchte ich leider auch unter der Krankheit…
    Ich fand es auf jeden Fall sehr schön dich beim dtv Bloggertreffen kennenzulernen – das wollte ich dir noch sagen. 🙂
    Vielleicht ja bis zum nächsten Jahr? 😉
    Liebe Grüße und Dir noch eine schöne Restwoche & natürlich eine gute Besserung,
    Hannah

    1. Hallöchen Hannah,

      Es freut mich so sehr, dass dir der Beitrag gefällt! Ja, viele sind daran erkrankt – aber so langsam ebbt die Welle der befallenen zum Glück ab. 😉

      Nächstes Jahr bin ich mit Sicherheit auch wieder am Start! 😀

      Liebste Grüße,
      Bianca

  3. Hallo Bianca,
    was für ein großartiger Beitrag! 😮 Überaus treffend beschrieben, endlich mal ein Doktor, der sich hervorragend mit den Beschwerden eines Buchliebhabers auskennt. Aber auch eine Krankheit, die ich gerne in Kauf nehme, die Ursachen sind nämlich wundervolle Tage voller Bücher und Treffen.
    Die Tipps probiere ich sowieso schon aus, Schokolade und eine Kanne Lieblingstee helfen bei vielen Dingen – und ich bin auch froh, dass ich die Buchmesseblues-Challenge noch entdeckt habe! Danke jedenfalls an dich für diesen tollen Beitrag – auf baldige Genesung 🙂

    Liebe Grüße und ein erholsames Wochenende,
    Noemi

  4. Hallo Bianca,

    vielen Dank für diesen amüsanten und angenehm zu lesen Artikel. Insbesondere die von dir erwähnte Anwendung von Schokolade kann ich nur empfehlen 😉

    Beste Grüße
    Peter

  5. Vielen Dank für diesen herrlichen Beitrag – ich musste so grinsen weil dieses Krankeitsbild definitiv auf mich zutrifft!
    Liebe Grüße
    Bella

  6. Ich hatte den Messeblues vor allem auch, weil ich nur den ersten Tag gehen konnte. Die anderen 3 Messetage musste ich deshalb immer verzweifelt auf Twitter verfolgen. Jetzt könnte es einen Rückfall geben, da ich den bekannten Fehler gemacht habe, Messeblues online zu recherchieren auf deinem Blog. 😉 Ein süßer Artikel! Die Lbm17 war aber ja wirklich toll, sodass der Messeblues nun mal auch eine naheliegende Nebenwirkung von uns allen ist. Liebe Grüße Luise

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