[Buchvorstellung] „Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ von Emily K. Johnston

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  • Titel: “Tausend Nächte aus Sand und Feuer”
  • AutorIn: Emily Kate Johnston (Über die Autorin)
  • Genre: Märchenadaption, Young Adult
  • Seitenstärke: 360 Seiten
  • Preis: 16,99 € [D] -> Kaufen
  • Verlag: cbt-Verlag

trennlinezitatneuLo-Melkhiins Leibwächter schloss seine Hand um meinen Arm und ich folgte ihm bereitwillig zu den Pferden. Das Gesicht des Mannes war von einem Sandschal bedeckt, aber seine Augen verrieten ihn Er wollte genauso wenig hier sein wie ich, und doch erfüllte er seine Pflicht, so wie ich es auch tat.
(“Tausend Nächste aus Sand und Feuer”, Seite 25)

klappentextneu

Lo-Melkhinn hat schon dreihundert Mädchen auf dem Gewissen, bevor er in ihr Dorf kommt, um sich eine neue Braut zu suchen. Als sie die Staubwolke am Horizont sieht, weiß sie, dass er das hübscheste Mädchen im Dorf mitnehmen wird: ihre Schwester. Aber das wird sie nicht zulassen. Stattdessen kehrt sie selbst mit dem geheimnisvollen Wüstenherrscher in seinen Palast zurück. Der Tod scheint ihr sicher, doch am nächsten Morgen ist sie immer noch am Leben. Von nun an erzählt sie Lo-Melkhinn jede Nacht eine neue Geschichte und jeden Morgen erwacht sie mit einem magischen Funken in sich, der von Tag zu Tag mächtiger wird …
(Quelle: cbt-Verlag)

meinungneu

Beantworten wir doch zuerst einmal die Frage aller Fragen: Sind „Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ von Emiliy Kate Johnston und „Zorn und Morgenröte“ von Renee Ahdien buchige Zwillinge? Für mich ist die Antwort ganz klar: Nein! Denn obwohl beide Bücher das selbe orientalische Märchen zum Vorbild haben, entwickeln sich beide Geschichten in verschiedene Richtungen und definieren sich durch unterschiedliche Schreibstile.

„Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ ist eine Neuerzählung des Märchens auf dem sämtliche orientalischen Geschichten basieren: Ein mächtiger Mann heiratet immer wieder junge Mädchen und tötet seine frisch angetrauten Gattinnen noch in der Hochzeitsnacht, eine seiner Ehefrauen jedoch, beginnt ihm eine Geschichte zu erzählen – jede Nacht ein weiteres Stück – und überlebt so die berühmten 1001 Nächte. Die Geschichten, die die junge Frau erzählt, kennen wir: Aladin und die Wunderlampe, Kalif Storch, Ali Baba und die vierzig Räuber und viele mehr.

Die Protagonistin erzählt uns ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive – trotzdem erfahren wie nie ihren Namen. Das ist eine sehr interessante stilistische Methode, es war sicher nicht einfach, ein ganzes Buch zu schreiben OHNE die Heldin oder eine andere Figur namentlich zu nennen. Auch die anderen Figuren tragen keine Namen (außer vielleicht Lo-Melkhiin – wobei ich nicht sicher bin, ob dies vielleicht ein Adelstitel ist). Die Autorin beschränkt sich auf Beschreibungen wie „meine Schwester“, „meine Mutter“ oder „der Bruder meiner Schwester“. Auf mich wirkte dieser geheimnisvolle Aspekt von „Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ sehr „märchenartig“, schließlich erfährt man in den meisten Märchen nicht, wie die Prinzessin heißt. Der entscheidende Unterschied ist, dass die namenlose Prinzessin ihr Märchen aus ihrem Blickwinkel erzählt. Allerdings fiel es mir als Leser zugleich auch etwas schwer, die Heldin zu greifen. Obwohl man so viel über ihren Charakter erfährt, bleibt ihr Name ein Geheimnis und es ist eigenartig, eine Figur auf ihrem Abenteuer zu begleiten, ohne ihren Namen zu kennen.

Der Schreibstil ist sehr poetisch, irgendwie magisch. Manchmal verliert sich die Geschichte etwas in weitschweifigen Erzählungen und Beschreibungen, findet aber immer wieder recht elegant den Weg zurück zur Handlung. Der ungewöhnliche Stil sagt vielleicht nicht jedem zu, und man muss sich als Leser etwas darauf einlassen, um „Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ so genießen zu können, wie diese Geschichte es verdient hat.

Ein weiterer großer Unterschied zu „Zorn und Morgenröte“ ist die Interpretation der Liebesgeschichte. Während in Renee Ahdiens Version von 1001 Nacht eine gewisse romanische Annährung zwischen der Protagonistin und ihrem mörderischen Ehemann stattfindet, entwickelt sich hier zwischen unserer Heldin und Lo-Melkhiin mehr eine Art gegenseitiger Respekt, als romantische Liebe. Ich als alte Romantikerin hätte mir für das Ende vielleicht ein kleines bisschen mehr gewünscht.

Nichtsdestotrotz war „Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ ein absolut grandioses Leseerlebnis, die Geschichte ist spannend und poetisch, geheimnisvoll und irgendwie fremd. Ich hoffe sehr, dass wir bald auch Emily Kate Johnstons „Spindle“ lesen können.

fazitneu„Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ ist eine wundervolle und sehr ungewöhnliche Adaption der berühmten Geschichte aus Tausendundeiner Nacht und wenn ihr orientalische Märchen  und/oder geheimnisvolle Geschichten, die nicht alles über sich preisgeben liebt, ist dieses Buch sicher euer Fall.

viereinhanlherzen

 

12 Kommentare zu „[Buchvorstellung] „Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ von Emily K. Johnston

  1. Hey liebe Bianca, das klingt ja richtig, richtig gut… jetzt machst du mich noch neugieriger auf das Buch. War mir bisher nicht so sicher, aber ich denke, jetzt hole ich es mir auch bald mal 😀 Danke
    *winke*

  2. Hallo Bianca :)) Du hast mir vor einiger Zeit einen sehr netten Kommentar zu meiner Outlander Rezension hinterlassen und jetzt möchte ich mich endlich mal revanchieren 🙂
    Ich habe vor kurzem Zorn und Morgenröte beende und habe seitdem unglaublich Lust auf orientalische Geschichten! Ich war auch erst irritiert, ob die Bücher nicht im Prinzip das gleiche sind, deine Rezension hat mir aber sehr geholfen! Ich denke, Tausend Nächte aus Sand und Feuer wird ganz bald bei mir einziehen!

    Liebe Grüße,
    Anne 🙂

  3. Uh, das Buch klingt wirklich gut und sehr viel besser als „Zorn und Morgenröte“. Ich verstehe nicht warum bei Neuerzählungen sich immer alle Menschen ineinander verlieben müssen. Warum muss es immer eine Liebesgeschichte geben? Manchmal ist eine Handlung eben düster und dann soll sie es bitte auch einfach bleiben…

    1. Hallöchen Chochi,

      Ja, das Buch ist toll. Irgendwie was ganz anderes 😀 Mir hat es richtig, richtig gut gefallen – obwohl ich wirklich ein Fan von Liebesgeschichten bin. ^^°

      Liebst,
      Bianca

      1. Zu kitschig ist aber auch nicht gut. :/ Auch – oder vielleicht gerade weil – ich gerade die To All the Boys I loved-Bücher gelesen habe…

  4. Ahoy Bianca,

    nach dem Beenden dieses Buches habe ich ewig gezögert, wie ich es bewerten soll. Denn technisch war es meines Erachtens perfekt, aber der Funke wollte irgendwie nicht überspringen. Mittlerweile habe ich mich entschieden und muss sagen, dass dieses Buch auf jeden Fall eines ist: Außergewöhnlich!

    Ich lasse dann mal frech meinen Link und liebe Grüße da, Mary ❤
    http://marys-buecherwelten.blogspot.de/2016/06/tausend-nachte-aus-sand-und-feuer.html

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