[Rezension] „Das nachtblaue Kleid“ von Karen Foxlee

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Erscheint am 25.08.2014

  • Titel: “Das nachtblaue Kleid“
  • Originaltitel: „The Midnight Dress“
  • AutorIn: Karen Foxlee
  • ÜbersetzerIn: Beatrice Howeg
  • Genre: Jugendbuch
  • Seitenstärke: 192 Seiten
  • Verlag: Beltz & Gelberg
  • Preis: 17,95 €
  • ISBN: 9783407811813

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buchzitat.jpgNur ein Kleid hängt in dem Schrank. Es richt nach Erde, denkt Rose, nach Erde und Regen und Himmel. Sie berührt das Kleid, wie da hängt auf einem einfachen Holzbügel, es ist aus glänzendem, nachtblauen Seidentaft.
(Seite 65)

klappentext.jpgEin Mädchen ist verschwunden.
Sie trug das magische Kleid in dieser unerträglich schwülen Nacht, in der die Zuckerrohrzüge still stehen. Es gibt nicht eine Spur von ihr – ist es Rose oder Pearl?

Karen Foxlee erzählt von Rose, einem Mädchen, das seinen Platz in der Welt sucht. Eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Verrat vor der Kulisse des tropischen Regenwalds Australiens. Ein bewegendes Meisterweg von großer sprachlicher Schönheit.

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Die unnahbare Rose strandet gemeinsam mit ihrem Vater in einem winzigen Kaff an der australischen Pazifikküste. Dort trifft sie auf die unvergleichliche, alles überstahlende Pearl. Zwischen den beiden grundverschiedenen Mädchen entwickelt sich eine Freundschaft. Schließlich überredet Pearl Rose, bei dem Ball der Zuckerrohrernte mitzumachen, dem alle Mädchen entgegenfiebern. So lernt sie Edie Baker kennen.
Gemeinsam mit der eigenartigen alten Näherin, beginnt Rose sich ihr eigenes nachtblaues Traumkleid aus Seide zu schaffen. Stich für Stich fasst das Mädchen immer mehr Vertrauen – doch in der Nacht des Balls geschieht ein schreckliches Verbrechen, das alles überschattet und alles verändert …

meinemeinung.jpg

Dieses Buch begleitete mich gleich auf zwei wundersame Reisen. Die eine führte mich mit Tinte und Papier in die geheimnisvollen Regenwälder Australiens, dort spielt „Das nachtblaue Kleid“. Die zweite Reise war eine waschechte Wandertour auf den höchsten Berg Deutschlands – die Zugspitze.
Ja, liebste Lesefreunde, ich habe meine müden Knochen hochgehieft und habe zu Fuß die Zugspitze bestiegen, „das nachblaue Kleid“ im Rucksack. Ein mutiges Unterfangen, denn noch nie im Leben kam ich über die 1.000 Höhenmeter hinaus (von den fast schon 3.000 Höhenmetern, die die Zugspitze misst mal ganz zu schweigen), und wenn mal als Flachlandpirat plötzlich mit den steilen, steinigen Hängen und der dünnen Luft der Berge zu kämpfen hat … da verteufelt man jedes Gramm, das man auf dem Rücken trägt und das halbe Kilo, welches „Das nachtblaue Kleid“ auf die Waage bringt, verflucht mal zwischenzeitlich gleich fünfmal.

Doch wenn man nach einem fast neunstündigen Marsch mit 25 kg Gebäck und nahezu 1.500 Höhenmetern, die man fast vollständig im letzten Drittel der Wanderung hinter sich gebracht hat (oder eben unter sich), ist man froh, wenn man der Steinwüste, die einen jenseits der Baumgrenze erwartet mal für ein kleine Weile in den australischen Dschungel entfliehen kann. Auch wenn am nächsten Morgen bereits weitere 4,5 Stunden Marsch und 900 Höhenmeter lauern, die gebändig werden müssen.

Besonders wenn diese Flucht so poetisch ist, wie Karen Foxlees Roman. Der Roman ist in zwei Erzählweisen unterteilt. Die Handlung wird aus der dritten Person, hauptsächlich aus Rose´ Sicht erzählt. Diese wird durch Zwischenspiele in der Ich-Perspektive eines ungenannten Erzählers ergänzt wird.
Karen Foxlees Schreibstil zeichnet sich durch hauchzarte, magische Formunlierungen, kraftvolle Worte und einem gewissen melancholischen Grundtonus aus. Sie versteht es ganz besondere Bilder zu zaubern, die den Leser einfach nicht mehr loslassen.

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Figuren. Zum Einen sind da Pearl und Rose, die ungleichen Mädchen. Pearl ist verträumt und voller Erwartungen an das Leben, während Rose das krasse Gegenteil zu ihr bildet. Sie ist verschlossen und in sich gekehrt. Obwohl die Protagonistinnen unterschiedlicher nicht sein könnten, beißt sich das Verhalten der Figuren nicht. Die Beiden ergänzen sich hervorragend, was dem Roman noch mehr Tiefe und Vielfalt gibt.
Doch sind Rose und Pearl nicht die einzigen, beeindruckenden Persönlichkeiten aus „Das nachtblaue Kleid“. Die Figur, die mich persönlich am meisten berührte, ist die alte Edie Baker. Sie weiht Rose in die Geheimnisse der Nähkunst ein, darüber hinaus berichtet sie von ihrem nicht leichten Leben und ihrer Familie. So lockt Rose so aus Schneckenhaus heraus.

Die Geschichte selbst ist tiefgängig und geheimnisvoll. Man erfährt in ihrem Verlauf mehr und mehr über die Vergangenheit und die Charakter der Figuren, über ihre Wünsche und Träume, ihre Erwartungen an sich und ihre Zukunft. Es ist ein Roman, der vom Erwachsenwerden, von Freundschaft und Liebe erzählt – aber ebenso von Schmerz und Verrat, von Tod und Trauer. „Das nachblaue Kleid“ handelt kurz gesagt vom Leben selbst, doch nicht nur von einem Leben. Sondern von Rose´, von Pearls, von Edies und von den Leben all der anderen Figuren. Und wie ein Verbrechen das Leben aller beeinflusst und verändert.

fazit.jpg„Das nachtblaue Kleid“ ist ein poetischer, geheimnisvoller und nachdenklicher Roman, der seinen Leser nicht unberührt zurücklässt. Ich kann euch dieses Buch nur ans Herz legen. Lasst euch auf eine Reise in den australischen Regenwald entführen – dafür müsst ihr nicht unbedingt auf die Zugspitze laufen. 😉

viereinhanlherzen

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Dieses Buch ist das Rezensionsexemplar, das im Rahmen der Aktion „Beltz & Gelberg sucht den Buchblogger des Jahres“ vergeben wurde. Vielen herzlichen Dank an Blogg dein Buch und den Beltz&Gelberg-Verlag für das zur Verfügungstellen des Buchs und die Chance auf den Titel. ❤

Unterschrift

8 Kommentare zu „[Rezension] „Das nachtblaue Kleid“ von Karen Foxlee

  1. sehr schöne Rezension 🙂 Unsere Meinungen gehen zu dem Buch ja nicht wirklich auseinander. 🙂 es war aber auch wirklich fesselnd. Ich hoffe du hast deine Zeit während des bergsteigens genossen 🙂 klingt jedenfalls nach einer Menge Spaß!

    Liebste Grüße
    Ivi

    1. Liebe Ivi,

      vielen Dank für die lieben Worte 🙂
      Ja, das war es! Und der Schreibstil ist einfach … besonders, nicht wahr? ❤
      Die Zeit hab ich sehr genossen, doch es war auch schrecklich anstrengend 😀

      Grüsschen,
      Bianca

  2. Huhu Bianca!

    Wie? Mit dem Buch auf die Zugspitze und dann nicht mal gemeinsames Foto geschossen? :O Gibt’s doch nicht *G*

    Ansonsten haben wir ja auch so ziemlich die gleiche Meinung was das Buch angeht 🙂

    GlG,
    Nicole

  3. Hey Bianca 🙂

    Heute morgen bin ich auf deinen schönen Blog gestoßen und gleich als Leserin geblieben. Jetzt habe ich Zeit, um ein bisschen zu stöbern, und musste gleich mal schauen, was du von diesem tollen Buch hältst – und du scheinst genauso begeistert davon gewesen zu sein wie ich. Ich habe es auch sehr gerne gelesen, kann jedoch keine Wandertour damit verknüpfen. Doch ich kenne das – Bücher, die einen auf Reisen begleiten, bleiben irgendwie besonders im Gedächtnis ❤

    Jetzt gehe ich weiter stöbern.

    Viele liebe Grüße
    Jacy

    P.S.: Hier findest du meine Rezension zu „Das nachtblaue Kleid“:

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