[Rezension] „Es wird keine Helden geben“ von Anna Seidl

  • Titel: “Es wird keine Helden geben”
  • Autor: Anna Seidl
  • Erscheinungsdatum: 20. Januar 2014
  • Genre: Jugendbuch
  • Seitenstärke: 251 Seiten
  • Verlag: Oetinger
  • Preis: 14,95 €
  • ISBN: 978-3-7891-4746-3

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Buchzitat:
Hier gibt es  keine Helden. Denn es ist kein Film. Blanke Realität.
[Seite 10]

Klappentext:
Man kann Angst riechen. Man kann nach ihr greifen. Er ist unter uns. Wir können sie hören, die Schüsse. Sie sind laut. Viel zu Laut.

Ein völlig normaler Schultag. Doch kurz nach dem Pausenklingeln fällt der erste Schuss. Die fünfzehnjährige Miriam flüchtet mit ihrer besten Freundin aufs Jungenklo. Als sie sich aus ihren Versteck herauswagt, findet sie ihren Freund Tobi schwer verletzt am Boden liegen. Doch für Tobi kommt jede Rettung zu spät, und Miriam verliert an diesem Tag nicht nur ihr unbeschwertes Leben …

Darum geht es:
„Es wird keine Helden geben“ entdeckte ich im Rahmen der von der lieben Katja von Ka-Sa´s Buchfinder, in Zusammenarbeit mit dem Oetinger-Verlag, ausgetragenen Leserunde. Von Anfang an sprach mich das Thema sehr an. Ist das Thema „Amoklauf“ und der Umgang damit sehr schwierig und wird ehr totgeschwiegen, als sich damit zu befassen – doch genau darum geht es in „Es wird keine Helden geben“: Der Umgang mit dem Tod von Freunden und Klassenkameraden, das Auseinandersetzen mit dem Tod und natürlich auch die Schuldfrage werden mit (manchmal schockierender Klarheit) dargelegt.

Es beginnt wie ein ganz normaler Tag für die fünfzehnjährige Miriam. Doch dann wird alles anders … Matias, einer ihrer Mitschüler fängt an auf Schüler und Lehrer zu schießen.
Miriam und ihre Freundinnen haben Glück: Sie überleben den Amoklauf. Doch für einige ihrer Schulkameraden, darunter auch Tobi, Miriams Freund sterben. Er wird vor Miriams Augen niedergeschossen und verblutet.

Das schwerste jedoch steht Miriam noch bevor: Wie geht man damit um? Was bringt die Flucht in Drogen oder in den Freitod? Wer versteht schon was in einem der zurückbleibt vorgeht? Was hilft es darüber zu sprechen? Und immer wieder stellt sich die Frage nach dem Warum …

In klarer, mal schockierend offenherziger, mal in bedrückend melancholischer Sprache erzählt die gerade sechszehn jährige Autorin Anna Seidl von den Auswirkungen des fiktiven Amoklaufes auf ihre Protagonistin Miriam.

Zum Schluss stellte sich mir die Frage: Was bleibt zurück von den vermeintlich ungefährlichen Neckereien aus der Schulzeit? Wer ist schuld an Amokläufern? Sind es wirklich nur die Amokläufer selbst oder müssen sich diejenigen, welche die Täter – manchmal über Jahre hinweg – drangsalieren ebenfalls mit verantworten? Ist jeder wirklich immer für seine Taten selbst verantwortlich oder kann es sein, dass manch einer so von Hass und Verzweiflung zerfressen ist, dass ihm ein solch schreckliche Tat als letzte Möglichkeit erscheint?
Hätten sich die Amokläufe in Winnenden und Erfurt durch so etwas banales wie Freundlichkeit verhindern lassen können? Wären die insgesamt 25 Menschen – Lehrer, Kinder, Sekretärinnen – noch am Leben, hätte irgendjemand den Mut gefunden für die Täter einzutreten und ihn in Schutz zu nehmen? Ist es wirklich so einfach und dadurch umso schrecklicher um all die vergeudeten Leben und die zerstörten Seelen von Betroffenen, Eltern, Geschwistern und Angehörigen  …

Ich persönlich finde das „Es wird keine Helden geben“auch eine hervorragende Schullektüre  abgeben kann. Durch die klare Sprache und das Thema ist der Roman sowohl lesbar, als auch Basis für Diskussionen, Unterhaltungen und kann sogar ein Mittel zur Prävention darstellen.Gerade weil es ein Thema ist, dass Schüler und Schülerinnen beschäftigt. Die Amokläufe in Winnenden und Erfurt haben bewiesen, dass es kein Problem ist mit dem die vermeintlich waffenvernarrten Amerikaner zu kämpfen haben – jeder kennt ein Mobingopfer, einen Außenseiter und es kann eine reelle Gefahr sein, mit deren Beweggründen man sich als Jugendlicher auseinandersetzten möchte.

Es ist ein ebenso faszinierender wie auch bedrückender Jugendroman, der einen nachdenklich zurücklässt. Und ich finde, allein schon aus diesem Grund lohnt es sich, „Es wird keine Helden geben“ zu lesen. Deshalb gibt es von mir fünf von fünf Herzen!

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Mich hat dieses Buch ziemlich mitgenommen, auch jetzt beim Schreiben der Rezension wird mir wieder bewusst, was für ein sensibles Thema der Roman anspricht und das wir alle allzu leicht Hauptfiguren in soch einer Geschichte werden können. „Es wird keine Helden geben“ ist keine Panikmache sonder eine manchmal fast schon kalte Aufklärung, ein Anpacken und Auspacken über etwas, das Schüler, Lehrer und Angehörige betroffen macht und ich denke, dass mich „Es wird keine Helden geben“ noch eine ganze Weile beschäftigen wird. Die Amokläufe in Erfurt (2002) und in Winnenden (2009) haben auch meine Schulzeit geprägt. Besonders den Amoklauf von Winnenden nahm mich bewusst war, weil ich damals in der 9. Klasse an einer Realschule war. Am 12. März, also am Tag darauf, fehlten Mitschüler weil sie Freunde oder Angehörige in der betroffenen Schule hatten oder einfach weil die Eltern Angst vor Nachahmern hatten.
Meine Frage an Euch: Wie habt ihr die Amokläufe in Erfurt und Winnenden miterlebt? Und wie steht ihr zum Thema Schuld? Ist jeder für seine Taten selbst verantwortlich oder ist es nicht so einfach? Wie steht ihr zum Heldentum?
Unterschrift

Vielen lieben Dank an den Oetinger-Verlag der das Leseexemplar zur Verfügung stellte.

4 Kommentare zu „[Rezension] „Es wird keine Helden geben“ von Anna Seidl

  1. Wie unterschiedlich die Auffassungen zu diesem Buch doch sind. Während die einen (wie ich) an der Protagonistin verzweifeln, loben andere das Buch und seine Tiefgründigkeit. Ihc freue mich immer andere Meinunge zu Büchern zu lesen, die ich auch rezensiert habe, auch wenn sie sich von meiner Ansicht unterscheiden. Wäre ja auch doof, wenn alle das Selbe toll finden.

    Nichtsdestotrotz ist es natürlich ein wahnsinnig wichtiges Thema, das zum nachdenken anregt.Und gerade in den Schulen sollte sich damit auseinander gesetzt werden. Ich weiß noch, dass wir damals eine Schweigeminute gemacht hatten, doch ich denke das Thema Mobbing und seine Folgen wird in Schulen immer noch zu wenig thematisiert.

    Ich würde dir in der Hinsicht „Die Hassliste“ von Jennifer Brown empfehlen. Auch dort geht es um einen Amoklauf (allerdings in den USA), Wobei in meinen Augen die Fragen von Schuld und Verarbeitung noch besser umgesetzt werden als bei „Es wird keine Helden geben“

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